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Die boarische Muadasprach im „Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“

Dialekte sind ein Unterrichtsthema der achten Jahrgangsstufe in Deutsch. Dass das Lesen selbst der fränkischen Mundart gar nicht so einfach ist, stellten die Mädchen und Jungen der 8d schon im Unterricht fest. Ist Hören in Verbindung mit Sehen vielleicht besser? Um das auszuprobieren, besuchte die 8d die Vorstellung „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ im Mainfranken Theater in Würzburg. Der Plot der Geschichte ist schnell erzählt: Als der Boanlkramer (der Tod) ihn holen will, macht der Brandner Kaspar ihn betrunken und erwirkt durch Betrug im Kartenspiel die Erlaubnis, noch weitere 18 Jahre leben zu dürfen. Drei Jahre später verunglückt seine Enkelin Marei tödlich. Mit ihrem Erscheinen an der Himmelspforte fliegt auf, dass der Brandner Kaspar noch vergnügt auf der Erde sein Unwesen treibt. So muss der Boanlkramer noch einmal ans Werk. Dieses Mal gelingt es ihm, den Kaspar mitzunehmen, zumal er ihm in Aussicht stellt, im Himmel sein liebe Enkelin und auch seine schon lang verstorbene Gattin Afra wiedersehen zu können. Fazit der Schüler: Die Geschichte konnten sie erfassen, verstanden haben sie nicht alles, gefallen hat es ihnen trotzdem.

Zur Nachbereitung besuchte die Theaterpädagogin des Theaters Würzburg, Marlies Hagelauer, die Klasse im Unterricht. Neben echten Bayern unter den Schauspielern wurden auch die ermittelt, die das Bayerische nicht mit der Muttermilch eingesogen hatten, eine Fränkin z.B., die Neigschmeckte, die ihren fränkischen Dialekt mit in die Rolle einbrachte, oder die Marei, die ihre österreichische Mundart nicht ganz verbergen konnte. Den Preußen hatten alle herausgehört. Dessen Unkenntnis des Bayerischen sorgte für zahlreiche Verwechslungen und Lacher. Mehrere Textbeispiele zeigten das, so zum Beispiel:

Flori: Pscht! Da oben treibt a mordalischer Hirsch. – Senftl: Dort’n. – Flori: Aber naa! – Preuße: Wo nah? Ick seh nüscht.

Nicht nur der bayerische Dialekt mit Lese- und Hörproben standen im Zentrum der Doppelstunde, sondern auch bayerische Klischees wie zum Beispiel Weißwürste, Brezeln, Weißbier, Lederhosen, das Weiß-Blau und deren Umsetzung bzw. Durchbrechung im Stück in Form eines farbigen Hackbrettspielers, einer Asiatin im Dirndl bzw. Rotwein im Glas des Himmelspförtners sowie die Entstehungsgeschichte der Komödie. Auch Fragen zum Bühnenbild und zur Probenarbeit beantwortete die Theaterpädagogin. Ferner wurde das Geheimnis gelüftet, wie es möglich ist, dass ein Darsteller innerhalb von ca. 20 Minuten fünf Maß Bier trinken kann. Das Bier sei selbstverständlich alkoholfrei, der Rotwein roter Saft und der Kerschengeist Wasser – so Marlies Hagelauer auf die Frage nach dem Alkohol, der auf der Bühne getrunken wurde.

Ein herzliches Dankeschön ergeht an dieser Stelle nicht nur an Marlies Hagelauer für die informative und abwechslungsreiche Stunde, sondern auch an alle Eltern, die uns begleitet haben.

Text und Fotos: Gabriele Stern

 

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