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Profilfach Theater 2017: „Frühlingserwachen“

Mit der Kindertragödie „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind von 1890 brachte die Theatergruppe der Oberstufe in eindringlichen Bildern ein beklemmendes Szenario auf die Bühne. Verzweifelte Jugendliche, die von den Erwachsenen mit ihren Fragen nach dem Sinn des Lebens allein gelassen werden und am Ende tragisch scheitern, wurden meisterhaft dargestellt.

So führt der Weg vor der Frühjahrskulisse der blühenden Obstbäume in kurzer Zeit auf den Friedhof, wo sich am Schluss des Stücks die Gräber von zwei Vierzehnjährigen befinden. Melchior Gabor bleibt nichts als Verzweiflung über den Tod seiner beiden Freunde, wäre da nicht das personifizierte Leben (Kevin Gesell), das als Erscheinung über den Gräbern auftaucht und ihn am Ende rettet. Mit großer Bühnenpräsenz und Konzentration interpretierten die vier Hauptdarsteller Fabian Weber (Melchior Gabor), Janik Stöcklein (Moritz Stiefel), Alicia Welther (Anna Bergmann) und Laura Paradiso (ihre Mutter, Frau Bergmann) ihre schwierigen Rollen und machten das Seelendrama für die Zuschauer erschreckend nachfühlbar. Die Hilferufe an die Eltern von Melchior Gabor (Kristin Ruck und Gabriel Maleska) verhallen ungehört, das überautoritäre Auftreten des Schuldirektors Sonnenstich (Louis Franke) stößt ab und auch die zwei Freundinnen von Anna, Martha (Antonia Neppe) und Thea (Lena Rekoskum) kämpfen mit eigenen Problemen und können nicht weiterhelfen. Allein Ilse, das Freudenmädchen (gespielt von Jessica Peschel), versucht mit großem Charme, Moritz Stiefel auf dem Weg zum Verhängnis aufzuhalten. Aber vergebens!

Moritz begeht Selbstmord, Anna erliegt den Abtreibungsmitteln der Frau Schmidtin (Kristin Ruck in einer Doppelrolle), die Annas Mutter für ihre von Melchior Gabor geschwängerte Tochter bestellt hat.

Angesichts so viel Elends blieben die Zuschauer des Theaterstücks ratlos zurück. So viele Lösungen und Hilfestellungen für verzweifelte Jugendliche uns heute im Jahr 2017 möglich erscheinen, so hilflos rang die Jugend um 1900 um ihr Selbstverständnis in philosophischen Fragen. Ihre Eltern und Lehrer, die selbst im Obrigkeitsstaat zu Zeiten Kaiser Wilhelms geknechtet wurden, blieben stumm oder speisten die Kinder mit Lügen ab und straften überdimensioniert, was sie verzweifeln ließen.

Doch bleiben wir Erwachsenen angesichts der drängenden Fragen der Gegenwart nicht selbst viel zu häufig stumm?

Die Schauspieler jedoch erfreuten sich an dem nicht enden wollenden berechtigten Applaus für die gelungene Darstellung. In seiner anschließenden Dankesrede gratulierte Bernhard Seißinger, stellvertretender Schulleiter am FLSH, der Regisseurin Betina Karches zur ihrem Mut, dieses Stück ausgewählt zu haben.

Text: Betina Karches
Fotos: Martin Reisinger

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