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Gaibach hat zwei Schulhunde

Ein Hund im Klassenzimmer!?

 

 

Warum?

Alles begann, als ich in einer 7. Klasse der Realschule Referate über Hobbies verteilte…

Fußball, Holzsägearbeiten, Judo, Schlagzeug, Katzen, Meerschweinchen, Hunde…, das waren Themen, die möglichst anschaulich dargestellt werden sollten. So erschienen Fußbälle, Judoanzüge, Schlagzeugstöcke, auch Meerschweinchen und sogar ein Hund in meinem Klassenzimmer. Und mit großem Erstaunen nahm ich zunächst zu Kenntnis, dass vor allem die Jungen mit der größten Klappe in Anwesenheit von den mitgebrachten Tieren plötzlich zu rücksichtsvollen Softies mutierten. Das war ja ein Ding! Ich hatte noch nie etwas von Schulhunden gehört, kannte nur Blindenhunde, Wachhunde, Polizeihunde. Doch eine Idee reifte in mir heran und ich begann mich dafür zu interessieren, ob Hunde in der Schule schon irgendwo eingesetzt wurden und konnte feststellen, dass das nicht meine neue Erfindung sein würde, sondern dass es das bereits schon gab. Weiterhin konnte ich auch lesen, dass es ungemeine Vorteile mit sich bringt, Tiere an einen Lernort mitzunehmen, da sie eine friedliche Atmosphäre schaffen, den Blutdruck und die Aggressionsbereitschaft senken und motivationsfördernd sind. Kinder lesen z.B. gerne Tieren etwas vor – denn diese werten nicht, sie beschweren sich nicht, sie hören einfach zu, sind einfach da und nehmen einen so, wie man ist: mit Pickeln, mit unmodischen Schuhen, einem alten Handy, das ist ihnen egal. Oft kann man auch einfach mal mit ihnen/über sie lachen, wenn sie ein altes Brotpapier unter einem Stuhl hervorzerren und es zerfetzen oder den Kopf in den Papierkorb stecken, um zu prüfen, was da Tolles drin ist.

Wie geht das?

Nachdem ich die Schulleitung und das Kollegium überreden konnte, doch zumindest einmal einen Versuch zu starten, zog die Deutsche Pinscher Hündin Pamina bei mir und in der Schule ein. Das Unternehmen nannte sich „Projekt Hilfslehrer Hund“ und war von Anfang ein voller Erfolg, obwohl es für mich als unerfahrene Hundebesitzerin nicht immer einfach war. Auch die Hundeschulen in der Umgebung waren mit dieser Thematik nicht so sehr vertraut. Dennoch gingen wir brav in mehrere Hundeschulen und der Hundetrainer kam sogar mit in die Schule, in die Turnhalle und in den Deutschunterricht. Da ich so begeistert von der Wirkung des Hundes in meinem Unterricht war und mich darüberhinaus faszinierte, was mit Hunden machbar ist, absolvierte ich schließlich selber eine Ausbildung zur Hundetrainerin und habe eine nach §11 Tierschutzgesetz geprüfte Hundeschule.

Der Job eines Schulhundes

Der erste Schulhund, Pamina, war 11 Jahre in Gaibach im Unterricht dabei und somit ein alter Hase. Sie war mit auf Wandertagen und Klassenfahrten, sie tröstete im Sportunterricht bei Verletzungen, sie half bei Exen, transportierte Liebesbriefe und kümmerte sich um Kinder, die von anderen nicht so gemocht werden. Sie lehrte meine Schüler, Regeln zu akzeptieren, Rücksicht zu nehmen und zu verstehen, wie Hunde die Welt sehen. Sie sorgte für ein friedliches Klassenklima und noch niemals war je ein Schüler grob zu ihr. Sie zeigte, was sie wollte und was sie nicht mochte und die Kinder nehmen das unwahrscheinlich gut wahr und respektieren es.

Wegen großer Nachfrage ein weiterer Hund in Gaibach

Seit 2014 hat Pamina Verstärkung bekommen. Nachdem ein Hund nicht für 1200 Schüler da sein kann, hat sich dankenswerter Weise meine Kollegin Sabine Veit-Baumgartl bereit erklärt, ihren Cäsar auch mit in die Schule zu nehmen. Cäsar ist ein Golden Retriever Rüde und jetzt knapp drei Jahre alt. Er ist sehr geduldig, ruhig und kuschelt viel lieber als Pamina. Cäsar hat die gleiche Ausbildung wie Pamina und ist von seinem Wesen her besonders geeignet für die Jüngsten unserer Schüler.

Inzwischen ist Pamina leider viel zu früh verstorben. Doch nun bereichert der dritte Schulhund unsere Schulfamilie. Indigo, eine Englische Springer Spaniel Hündin, ist seit Welpenbeinen an im Unterricht dabei und tritt mit Bravour in Paminas Pfotenstapfen. Sie ist Everybody´s Darling und wickelt mit ihrem offenherzigen Charme alle um die Pfote. Sie kann innerhalb eines Wimpernschlages umschalten von wildem, ausgelassenem Spiel zur Kuschelkönigin und sorgt mit ihrer Apportierleidenschaft für viele Lacher im Schulalltag. Gerade die jüngeren Schüler haben unheimlich viel Spaß mit dem schlaksigen, spielfreudigen Langohr.

Ausblick

Inzwischen ist ein Hund im Klassenzimmer gar nicht mehr so außergewöhnlich. Viele Schulen haben diese Idee aufgegriffen und mit großem Erfolg umgesetzt. Hunde und sogar Katzen besuchen inzwischen Altersheime, Kindergärten, Förderschulen und Krankenhäuser. Dass Tiere eine ganz besondere Wirkung auf unser Wohlbefinden haben, wenn sie gut erzogen und gesellschaftsfähig sind, hat sich herumgesprochen und wird nun gezielt eingesetzt. Nach über 11 Jahren Schulhund-Einsatz können wir dies bestätigen und sind glücklich über unsere vierbeinigen Helfer, die uns Lehrern einen ganz besonderen Zugang auch zu schwierigen Kindern verschaffen.

Katrin Abraham

 

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