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Shakespeares “Der Sturm” am Gymnasium Gerolzhofen

Spritzig, pfiffig, wortgewandt, spannungs- und energiegeladen – So fegte „Der Sturm“ Shakespeares in einer Neubearbeitung von Michael Assies am Schuljahresende durch die Aula des Gymnasiums Gerolzhofen. Ein großes Lob den Schülerinnen und Schülern der achten bis zehnten Klasse und ihrer Regisseurin Betina Karches für einen wirklich wunderbaren Theatergenuss!

Antonio setzt aus Missgunst seinen Bruder Prospero, den Herzog von Mailand, samt seiner dreijährigen Tochter in einem kleinen Boot aus, um selbst an die Macht zu kommen. Die beiden überleben und stranden auf einer kleinen, menschenleeren Insel.

Zwölf Jahre später: Prospero tyrannisiert die einzigen beiden Bewohner des Eilandes. Ihm dienen – freiwillig – der Luftgeist Ariel, den er einst aus der Gefangenschaft befreit hat, und – unfreiwillig – Caliban – halb Mensch, halb Tier. Eines Tages nähert sich ein Schiff der Insel, auf dem Prospero neben anderen seinen Bruder Antonio wieder erkennt. Rachsüchtig lässt er einen Sturm aufkommen, das Schiff zerschellt an den Klippen, die Schiffbrüchigen retten sich auf die Insel, werden voneinander getrennt. Irrungen und Wirrungen in shakespearescher Manier nehmen ihren Lauf: Miranda verliebt sich in Ferdinand, den Sohn Alonsos, der wiederum mit Antonio verbündet ist. Antonio und Sebastian planen aus Machtgier einen Anschlag auf Alonso, Caliban wittert seinerseits seine Chance, mit Hilfe der total betrunkenen Schiffbrüchigen Trinkulo und Stephano Prospero zu töten und wieder an die Macht zu kommen. Doch statt Blutvergießens gibt es dank der Vermittlung Ariels Versöhnung zwischen den Brüdern, den Segen für das Liebespaar und eine Chance für den tobenden, schreienden Caliban, in die Welt der Zivilisation mitzukommen und endlich ein guter Mensch zu werden. Soweit der Plot, der allein schon genug Zündstoff bietet! Richtig Zunder verliehen der Handlung aber die Schauspieler! 

Mit dem richtigen Fingerspitzengefühl haben es die Schülerinnen und Schüler verstanden, die Charakterzüge der dargestellten Personen herauszuarbeiten: Sanftheit, Menschlichkeit und die Sehnsucht nach Liebe und Frieden verkörperten Elisabeth (8d) als Miranda, Jana (8c) als Ferdinand, Amelie (8c) als Luftgeist. Verzweiflung und Trauer um den vermeintlich verlorenen Sohn stellte Adrian (9d) als Alonso überzeugend dar, Falschheit und Verlogenheit Mirjam (10d) als Antonio und Shirin (8c) als Sebastian. Die Rolle des tyrannischen, grausamen Herrschers Prospero war Max (9d) wie auf den Leib geschrieben. Mit weit ausladenden Schritten und dominanter Stimme nahm er viel Raum für sich ein, Raum, den Caliban (Betty, 10c) ebenso für sich beanspruchte. Wie ein im Käfig gefangenes und jahrelang gedemütigtes Raubtier tigerte die Darstellerin wutschnaubend und Gift und Galle spuckend die wenigen Quadratmeter zwischen den imaginären Stäben hin und her, ohne entkommen zu können. Nicht weniger bewegungsfreudig und mal laut, mal leise lallend torkelten die beiden Betrunkenen (Sebastian und Vanessa, beide 8d), über die Bühne – auch sie brauchten viel Platz! Besonders freuten sie sich, wenn sie sich über das „fischstinkende Mondkalb“ (Caliban) lustig machen konnten. 

All diese unterschiedlichen Charaktere fanden sich zu einer tollen Ensemble-Leistung auf hohem Niveau zusammen. 

Die Dramatik der Bühnenhandlung wurde durch sehr unterschiedliche, aber genau passende Musikeinspielungen unterstrichen. Ein großes Dankeschön geht an die Licht- und Tontechnik (Elias, 8c, und Florian, 9d) und – last but not least – an Betina Karches, die jedes Jahr viel Herzblut und Zeit in das Gelingen ihrer Theater-Projekte investiert.

Mit einem großen sommerlichen Blumenstrauß bedankte sich der Leiter der Außenstelle des FLSH Schloss Gaibach, Joachim Müller, herzlich bei der Regisseurin für die spannende und schöne Theateraufführung.

Text: Gabriele Stern
Bilder: Martin Reisinger


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