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Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam?

Diese Frage ist wohl eines der berühmtesten Rätsel Lewis Carolls, die aus dem Original „Alice im Wunderland“ stammt und auch in dem Theaterstück der Oberstufe am Franken-Landschulheim Schloss Gaibach am Donnerstag, dem 19.4.2018, immer wieder für einiges Schmunzeln sorgte.

Die Hauptdarstellerin Alice, gespielt von Alicia Welther, führte das Publikum durch die zauberhafte Welt, die durch ein in allen Farben und Formen erstrahlendes Bühnenbild wie eine Art sprechendes Bilderbuch wirkte. Nicht nur ihr Name, sondern auch die überzeugende theatralische Umsetzung zeigte, dass sie wie für die Rolle der Alice gemacht war.

Die Sahnehaube der Kostümierung stellten die im Kunstunterricht der zehnten Klassen bei Stefanie Neff entstandenen Kleider dar, wobei deren Designer eigens für das Theaterstück in Statistenrollen schlüpften und sich als Hofstaat der Roten und Weißen Königin präsentieren durften.

Die liebevoll von den Schülern und der Theaterleiterin Gabriele Stern gezeichneten Figuren machten es den Zuschauern leicht, ebenfalls in das Kaninchenloch zu fallen und die „kleine Prise Wahnsinn“ zu genießen, die sich dort vorfand.

Die jungen Schauspieler zeigten sich als wahre Multitalente. So wurde die blaue Raupe Absolem und die Grinsekatze in einer Figur fabelhaft von Elena Schäfer neu interpretiert, Charaktere wie der Hutmacher, gespielt von Janik Stöcklein, bekamen eine außergewöhnliche Tiefe. Aber auch der Märzhase und die beiden Königinnen (Lena Rekoskum, Jessica Peschel und Elena Keller) wurden mit psychologischer Raffinesse gespielt. Die jeweilige Eigenheit der Figuren war absolut verinnerlicht. Sogar das außergewöhnliche Talent der Grinsekatze, Nasenflöte zu spielen, durften die Besucher bestaunen.

Der Wunsch nach einer modernen Inszenierung brachte die Herausforderung mit sich, Skurriles und Absurdes ernst darzustellen. Das Manifest der Phantasie wurde schließlich von Lewis Carroll, alias Kevin Gesell, und durch den Auftritt von Tante Margaret (Julia Möslein), Alice’s strenger Tante, die in die Wunderwelt eingedrungen war, um ihrer Nichte zu schaden, immer wieder durchbrochen.

Hintergrund der Geschichte ist, dass der Autor das Stück für seine große Liebe Alice Pleasance Liddell, die Tochter seines Dekans, geschrieben und es ihr und ihrer Schwester zur Unterhaltung auf den gemeinsamen Ausflügen in einer Gondel auf der Themse erzählt hat. Diese Liebesbeziehung wurde in der Wirklichkeit durch die Eltern von Alice beendet, die den Kontakt der Siebenjährigen mit dem 28-Jährigen schließlich unterbunden haben.

Dem Zuschauer, dem zunächst innerhalb der verrückten Welt der Durchblick fehlt, wird also durch das Spiel mit mehreren Ebenen klar, dass die rebellische Tochter auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist und der Konflikt mit den Widersachern wie der Roten Königin mit ihrem Kopf-ab–Prinzip Anlass zum Nachdenken über die eigene Freiheit bieten soll.

Text: Birgit Kederer
Photos: Fabian (Q11), Lena (Q12), Peter Seemann

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