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Exkursion der Fachschaften Religion

Die gelebte Ökumene am FLSH – wie immer das Motto der Fachschaften evangelischer und katholischer Religionslehre – zeigte sich endlich wieder nach der letztjährigen Coronapause in einer gemeinsamen Exkursion.

Dieses Jahr bildeten wir uns interreligiös fort und besuchten im Juli den jüdischen Friedhof in Gerolzhofen. Unter der fachkundigen Führung von Frau Eva-Maria Breuer erfuhren wir nicht nur allgemeine Merkmale und Besonderheiten jüdischer Ruhestätten, sondern erhielten auch detailreiche Einblicke in jüdische Einzelschicksale.

Im Jahre 1631 gegründet erlangte der jüdische Friedhof bis heute eine Größe von ca. 10 000 m2. Er befindet sich am höchsten Punkt der Gemarkung Gerolzhofen und ist damit gemäß der jüdischen Vorschriften außerhalt der Stadtmauern gelegen. Diese Gesetze schreiben auch eine Erdbestattung vor, und zwar am Todestag. Die letzte offizielle Bestattung fand auf diesem Friedhof 1936 statt.

Die Gräber haben wie bei den Christen einen Grabstein. Die Form allerdings ähnelt Gesetzestafeln, die mit der Vorderseite nach Osten ausgerichtet sind, also gen Israel zeigen und somit den Zugang zum Weltgericht schaffen. Die Rückseite beinhaltet eine sogenannte Eulogio, d.h. eine Lobesrede auf den Verstorbenen. Die Toten schlafen bis zum Jüngsten Tag und das Grab gehört ihnen auf ewig. Daher gestaltet sich die Pflege und Instandhaltung des Friedhofes z.T. schwierig, denn in der Erde einer Ruhestätte darf nicht gegraben werden. 

Interessant berichtete Frau Breuer auch über die Entstehung von Nachnamen. Während die eher besser betuchten Juden sich Namen leisten konnten, die sich auf ihren Stamm zurückführen ließen, wie Hirsch auf die Gazelle als Symbol des Stammes Naftali, mussten sich die Ärmeren z.B. mit Sündermann zufrieden geben. Wiederum andere konnten sich gerade noch das „W“ im Namen Schweißloch leisten.

Am Ende der Führung gelangten wir zum Bet-ha-Chaijm, dem Haus des Lebens, in dem die rituellen Totenwaschungen stattfanden.

Ausgestattet mit neuen Erkenntnissen der jüdischen Kultur wandten wir uns im zweiten Teil unserer Exkursion dem Heiligen Geist zu. Im Weingut Mößlein in Zeilitzheim erwartete uns eine Whisky- und Weinverkostung. Der ehemalige Schüler des FLSH und Juniorchef Martin Mößlein wies uns kompetent in die Kunst der Degustation ein. Erstmalig genossen wir fränkischen Whisky, der dort seit 1996 destilliert wird.

 Vom guten Geist beseelt zerstreuten wir uns wieder in alle Winde.

Text und Bilder: Sebastian Neubert, Marco König und Elena Marold

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