20. März 2026

Kleists „Krug“ in neuem Glanz

Wenn ein zerbrochener Krug zum Zentrum einer amüsanten, aber auch tiefgründigen Gerichtsverhandlung wird, dann geht es natürlich um Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“, das knapp 70 Schülerinnen und Schüler der Q12 gemeinsam mit ihren Deutschlehrkräften Dorothea Karl, Carina Pabst, Linda Wagner und Isabelle Warmuth in einer modernen Inszenierung in Schweinfurt erleben durften.

Von der Theorie auf die Bühne

Nachdem das Stück – eine zentrale Lektüre für das bayerische Abitur – im Unterricht bereits eingehend analysiert worden war, stieg die Spannung: Wie würde die Umsetzung auf der Bühne wirken? Regisseur Alexander Marusch wählte für seine Inszenierung die sogenannte Variantfassung, kürzte diese jedoch geschickt, um die Dynamik für ein jugendliches Publikum hochzuhalten. Besonders imposant war der bewusste Kontrast der Inszenierung zwischen sprachlicher Treue und modernem Gewand. Die Beibehaltung des klassischen Blankverses forderte volle Konzentration, das Bühnenbild und die Requisiten brachten eine zeitgenössische Frische in den Stoff von 1808.

Ein Spagat, der polarisiert

Die Mischung aus alten und modernen Elementen sorgte im Zuschauerraum durchaus für Diskussionsstoff. Während die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler die Inszenierung als spannende und gelungene Vertiefung der Unterrichtsinhalte bewertete, empfanden einige den Spagat zwischen moderner Darstellung und klassischer Sprache als kleine Hürde für den Zugang zum Stück.

Doch gerade diese Reibungspunkte erwiesen sich als wertvoll. Die vielen inszenatorischen Leerstellen und das bewusst offen gehaltene Ende boten am darauffolgenden Tag im Deutschunterricht reichlich Stoff für ausführliche Gespräche.

Lernen findet nicht nur im Klassenzimmer statt

Der Abend in Schweinfurt hat einmal mehr gezeigt, dass Literatur auf der Bühne eine ganz andere Energie entfaltet als zwischen zwei Buchdeckeln. Das Resümee der Lehrkräfte und der Schülerschaft fiel eindeutig aus: Ein außerschulischer Lernort lohnt sich einfach immer. Er schafft Erlebnisse, die weit über das Auswendiglernen von Textpassagen hinausgehen und die Relevanz klassischer Stoffe im 21. Jahrhundert greifbar machen.

Die Q12 erlebten einen amüsanten Theaterabend in Schweinfurt

Text: Carina Pabst/Bild: Janina Seyler